Die Schaltung ist nicht nur für den Komfort wichtig. Sie entscheidet, ob Du Berge gut hochfahren kannst oder ob Du schieben muss. Und sie sorgt dafür, dass Deine Knie lange gesund bleiben.

Kette (1) Einer der wichtigsten Faktoren für gesundes und effizientes Radfahren ist die so genannte Trittfrequenz. Sie ist die Umdrehungszahl der Tretkurbeln, also sozusagen das Pendant zur Drehzahl des Motors beim Auto. Wenn man damit 30 km/h im ersten Gang, dreht der Motor hoch, braucht aber wenig Kraft; bei 30 km/h im vierten Gang dreht der Motor langsam, muss aber deutlich mehr Kraft aufbringen. Dasselbe Prinzip gilt für das Fahrrad: Fährt man 15 km/h in einem kleinen Gang, muss man zwar schnell kurbeln, aber nur wenig Druck auf die Pedale bringen. Umgekehrt kann man bei 15 km/h in einem großem Gang angenehm langsam treten, muss aber mit viel Kraft auf die Pedale drücken.

Beim Auto gilt: Eine zu hohe Motordrehzahl bedeutet enormen Verschleiß und zu viel Gas bei niedrigen Drehzahlen beansprucht bestimmte Lager stark. Der menschliche Körper funktioniert anders: Die hohe Kraft, die bei einer niedrigen Trittfrequenz auftreten kann, kann die Gelenkflüssigkeit aus den Knien verdrängen – und das bedeutet einen extremen Verschleiß der Gelenke! Besonders beim Liegerad muss man aufpassen, weil man durch die Abstützung des Rückens enorme Kräfte auf die Pedale (und Knie) bringen kann. Und der Körper warnt einen nicht mit Schmerzen vor dieser Fehlbelastung. Man muss unbedingt selbst aufpassen!

Kette (2) Man sollte also unbedingt einen relativ kleinen Gang wählen, um schnell und relativ leicht zu treten, also mit hoher Trittfrequenz. Das ist am Anfang unbequem, auch weil der Kreislauf stärker beansprucht wird und man deswegen das Gefühl hat, dass das Fahren in einem kleinen Gang anstrengender ist. Sobald man sich aber daran gewöhnt hat, merkt man, dass man bei gleicher Anstrengung flotter vorankommt. Die ideale Trittfrequenz ist individuell unterschiedlich und liegt etwa bei 85-100 Umdrehungen pro Minute. Es gibt Tachos, die die Trittfrequenz anzeigen, aber so einen benötigt man meines Erachtens nicht. Treten sie einfach so schnell, dass es gerade nicht unangenehm ist. Wenn Sie das stets berherzigen, steigert sich Ihre Trittfrequenz im Laufe der Zeit, ohne dass es für Sie unangenehm wird.

Trittfrequenz und Schaltung

Den Zusammenhang zwischen Geschwindigkeit und Trittfrequenz bestimmt die so genannte Entfaltung, die vom eingelegten Gang abhängt. Wenn Du einen Gang mit einer Entfaltung von drei Metern wählst, fährst Du mit einer vollständigen Kurbelumdrehung genau drei Meter weit. Bei einer Trittfrequenz 90 Umdrehungen pro Minute (und einer Entfaltung von drei Metern) fährst Du 90x3 m, also 270 Meter weit. Das entspricht 16,2 Kilometern pro Stunde. Natürlich kann man auch umgekehrt rechnen: Wenn Du 30 km/h bei einer Trittfrequenz von 85 fahren willst, musst Du einen Gang mit einer Entfaltung von 5,88 Metern einlegen.

Und jetzt wird es spannend: Auch wenn es steil bergauf geht und Du nicht schneller als 5 km/h fahren kannst, solltest Du eine Trittfrequenz von vielleicht 70 fahren können – und das bedeutet eine Entfaltung von 1,19 Metern. Eine solche Entfaltung bekommt man mit praktisch keinem Fahrrad von der Stange! Achte beim Kauf unbedingt darauf, dass die Entfaltung im kleinsten Gang nicht zu groß ist. Sonst kommst Du keine Berge hoch, schon gar nicht mit Gepäck. Die Entfaltung im höchsten Gang ist hingegen nicht so entscheidend, denn sie bestimmt lediglich, bis zu welcher Geschwindigkeit man mittreten kann, wenn es bergab geht (und man sowieso rollt).

Entfaltung ausrechnen

Die Entfaltung kann man ganz leicht ausrechnen. Bei einer Kettenschaltung musst Du nur die Anzahl der Zähne am Kettenblatt (vorne) und am Ritzel (hinten) nachzählen. Außerdem brauchst Du den Durchmesser des angetriebenen Rads. Die bei Liegerädern verbreiteten 20-Zoll-Räder haben einen Durchmesser von 0,483 Metern, 26-Zoll-Reifen haben übrigens Durchmesser von 0,63 Metern und 28-Zoll-Schluppen liegen bei 0,7 Metern. Rechne dann:
(ZähneVorne/ZähneHinten) * Durchmesser * 3,141
Bei einer Nabenschaltung muss man den Wert zusätzlich mit der Übersetzung des jeweiligen Nabenschaltungs-Gangs multiplizieren. Die beliebte Rohloff-Schaltung mit 14 Gängen hat eine Übersetzung von 0,279 im kleinsten und 1,467 im höchsten Gang. Die Dualdrive-Nabe von SRAM hat ein Übersetzung von 0,734 im ersten und 1,362 im dritten Gang; der zweite Gang ist ohne Übersetzung.

Mein Liegerad Flux S800/S600 hat standardmäßig auf dem kleinen Kettenblatt vorne 39 und auf dem größten Ritzel hinten 34 Zähne. Mit einem Raddurchmesser von 0,483 Metern (20-Zoll-Reifen) ergibt sich eine Entfaltung von 1,74 Metern im kleinsten Gang – das ist zu wenig für Gebirgsfahrten! Ich habe daher beim Kauf des Fahrrades gleich ein Kettenblatt mit 36 Zähnen bestellt, um auf 1,61 m zu kommen. Das ist immer noch sehr viel, aber weniger geht mit diesem Fahrrad kaum.

Eine Tabelle mit diversen Entfaltungen finden Sie als pdf-Datei hier. Dieselbe Tabelle habe ich hier im Excel-Format (gezippt) hinterlegt, sodass Du mühelos selbst nachrechnen kannst.

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